Ausübungsstil
Amerikanisch oder europäisch
Ganz am Anfang ist die Unterscheidung zwischen amerikanischem und europäischem Ausübungsstil wichtig. American Style bedeutet: Der Inhaber einer Long-Option darf grundsätzlich schon während der Laufzeit ausüben. European Style bedeutet: Ausübung ist nur zum Verfall möglich.
Genau deshalb kann es bei Aktien- und ETF-Optionen zu früher Ausübung und früher Zuteilung kommen. Wenn du short bist, kann dir also auch vor dem letzten Handelstag eine Assignment ins Konto laufen.
Merksatz
- American Style Long-Inhaber kann jederzeit vor Verfall ausüben.
- European Style Ausübung nur am Verfallstag beziehungsweise zum offiziellen Settlement.
- Praxis Einzelaktien und viele ETFs sind oft physisch geliefert, große Indexoptionen häufig cash-settled.
Was bei Aktien- und ETF-Optionen passiert
Bei klassischen Aktien- und ETF-Optionen führt eine Ausübung in der Regel zur physischen Lieferung. Das heißt: Es werden 100 Stück pro Kontrakt ein- oder ausgebucht. Liegt eine Equity-Option am Verfall im Geld, wird sie bei OCC-Verarbeitung typischerweise per Exercise-by-Exception automatisch ausgeübt, sofern keine gegenteilige Weisung erfolgt.
- Long Call ITM am Verfall 100 Aktien oder ETF-Anteile werden zum Strike eingebucht, der Gegenwert wird belastet.
- Short Call ITM am Verfall 100 Stück werden ausgebucht oder müssen geliefert werden.
- Long Put ITM am Verfall 100 Stück werden zum Strike verkauft; je nach Broker und Bestand kann das Lieferung oder eine Short-Position bedeuten.
- Short Put ITM am Verfall 100 Stück werden zum Strike eingebucht.
Praktisch bedeutet das: Du solltest immer genug Buying Power oder Margin im Konto haben, um eine mögliche Einbuchung von 100 Aktien oder ETF-Anteilen tragen zu können. Das gilt besonders für Long Calls, die automatisch ausgeübt werden können, und für Short Puts, die dir 100 Stück einbuchen.
Ein einfaches Aktienbeispiel
- Aktie bei 186 USD zum Verfall.
- Long Call Strike 180 ist 6 USD im Geld.
- Folge Bei automatischer Ausübung kaufst du 100 Aktien zu 180 USD.
- Kapitalbedarf Rund 18.000 USD plus Nebenkosten müssen vom Konto getragen werden können.
Cash Settlement bei Indexoptionen
Bei vielen großen Indexoptionen wie SPX, NDX oder DAX gibt es dagegen keine Ein- oder Ausbuchung von Aktien. Hier wird am Ende nur der Geldbetrag verrechnet, um den die Option im Geld liegt. Das nennt man Cash Settlement.
Wichtig ist dabei die Genauigkeit: Maßgeblich ist nicht einfach irgendein letzter Tick, sondern der offizielle Settlement-Wert des jeweiligen Produkts. Je nach Kontrakt kann dieser auf Eröffnungs- oder Schlusskursen basieren.
Einfaches SPX-Beispiel
- SPX Call Strike 5000.
- Offizieller Settlement-Wert 5035.
- Innerer Wert 35 Punkte.
- Cash Settlement 35 x 100 = 3.500 USD.
- Folge Keine Aktienlieferung, sondern nur Gutschrift oder Belastung in Cash.