Optionist.net
Dashboard Grundlagen Strategien Tools Über Links Impressum
DE | ENG

Grundlagen

Implizite Volatilität

Sobald es Optionen auf ein Produkt gibt, steckt im Optionspreis immer auch eine implizite Volatilität. Sie ist keine historische Bewegung, sondern die vom Markt aktuell eingepreiste Erwartung.

Zurück

Zurück zur Grundlagen-Übersicht.

Grundlagen

Grundidee

Was implizite Volatilität eigentlich ist

Implizite Volatilität, kurz IV, ist die im Optionspreis enthaltene Erwartung künftiger Schwankung. Sie wird nicht direkt beobachtet, sondern aus den gehandelten Optionspreisen abgeleitet.

Wichtig ist: Es gibt nicht nur eine IV für den Gesamtmarkt. Es gibt sie auf Indizes, auf einzelne Aktien und auch auf Rohstoff-ETFs, sobald darauf Optionen gehandelt werden.

1. Indizes

Der bekannteste Volatilitätsindikator ist der VIX. Er misst die vom Markt erwartete 30-Tage-Volatilität auf Basis von SPX-Optionen. Auf deiner Startseite im Dashboard ist genau diese Welt bereits zentral eingebunden.

Rund um den VIX gibt es aber eine ganze Laufzeitenfamilie. Besonders relevant sind:

  • VIX1D 1-Tages-Volatilität auf SPXW-Optionen. TradingView: VIX1D
  • VIX9D 9-Tages-Volatilität auf den S&P 500.
  • VIX klassischer 30-Tage-Indikator. TradingView: VIX
  • VIX3M 3-Monats-Variante. TradingView: VIX3M
  • VIX6M 6-Monats-Variante. TradingView: VIX6M
  • VIX1Y 1-Jahres-Variante.

VVIX: die Volatilität auf den VIX

Besonders spannend ist der VVIX. Er misst nicht die IV des S&P 500, sondern die erwartete Volatilität des VIX selbst, also gewissermaßen Volatility of Volatility.

Steigt der VVIX deutlich, signalisiert das oft Nervosität in der gesamten Volatilitätsstruktur. TradingView: VVIX

VDAX als deutsches Pendant

Das Äquivalent aus dem DAX-Umfeld ist der VDAX beziehungsweise heute praktisch oft der VDAX-NEW. Er zeigt die vom Terminmarkt eingepreiste DAX-Volatilität an.

TradingView: VDAX-NEW / DV1X

2. Implizite Volatilität auf Aktien

Bei einzelnen Aktien gibt es normalerweise keinen universellen Leitindex wie den VIX, den jeder sofort kennt. Stattdessen wird die IV direkt aus der jeweiligen Optionskette der Aktie gelesen.

Genau das macht sie aber so nützlich: Man erkennt sehr gut, ob die Optionspreise auf eine Aktie historisch eher hoch oder niedrig eingepreist sind. Das ist für Covered Calls, Cash Secured Puts oder Spreads entscheidend, weil teure und billige Prämien oft ein anderes Setup verlangen.

3. Rohstoffe und Rohstoff-nahe IV-Indizes

Im Rohstoffbereich gibt es ebenfalls abgeleitete Volatilitätsindizes. Typische Beispiele sind:

  • OVX für Öl, abgeleitet aus Optionen auf den USO-ETF.
  • GVZ für Gold, abgeleitet aus Optionen auf den GLD-ETF.
  • VXSLV für Silber, abgeleitet aus Optionen auf den SLV-ETF.

Diese Indizes sind als Beobachtungsgrößen sehr interessant, weil sie zeigen, wie teuer Volatilität in den jeweiligen Rohstoffmärkten gerade ist.

Wichtiger praktischer Hinweis: Anders als beim VIX gibt es auf diese Volatilitätsindizes selbst in der Praxis meist keine vergleichbar etablierten, breit genutzten Standard-Optionsprodukte für den normalen Retail-Workflow. Man nutzt sie daher eher als Informations- und Regimeindikatoren als als eigene Optionsunterlyings.

Kurzfassung

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick

  • IV gibt es immer sobald Optionen auf ein Produkt gehandelt werden.
  • VIX ist der zentrale 30-Tage-IV-Indikator für SPX-Optionen.
  • VIX-Familie reicht von 1 Tag bis 1 Jahr.
  • VVIX misst die erwartete Volatilität des VIX selbst.
  • VDAX ist das deutsche Gegenstück im DAX-Umfeld.
  • Aktien-IV liest man direkt aus den jeweiligen Optionsketten.
  • OVX, GVZ, VXSLV sind nützliche Rohstoff-Vola-Indikatoren, aber eher Analysewerkzeuge als klassische Optionsunterlyings.