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Implizierte vs. realisierte Volatilität

Warum Optionsverkäufer langfristig eine Risikoprämie erhalten und weshalb diese Prämie kein risikoloser Gewinn ist.

BegriffeIV blickt voraus, realisierte Vola zurück

Implizierte Volatilität wird aus Optionspreisen abgeleitet. Sie enthält neben erwarteter Bewegung auch Absicherungsnachfrage, Skew, Liquidität und Risikoprämien.

Realisierte Volatilität wird im Nachhinein aus den tatsächlichen Renditen berechnet. Verglichen werden müssen gleiche Horizonte: heutiger 30-Tage-VIX gegen die folgenden 30 Tage S&P-Volatilität.

  • Volatilitätsspread VIX minus nachfolgende realisierte Vola.
  • Varianzrisikoprämie Wird wissenschaftlich in Volatilität zum Quadrat gemessen.
35 JahreVIX gegen S&P-500-Volatilität

Die CFA-Auswertung seit 1990 zeigt im Mittel 19,59 % VIX gegen 15,50 % nachfolgende realisierte Vola. Die Lücke betrug 4,09 Punkte; beim Median waren es 17,77 % gegen 13,12 %.

Der VIX lag häufig, aber nicht immer höher. Zu Beginn von 2008 und COVID überholte realisierte Vola den VIX zeitweise; danach überreagierte der VIX. Genau diese Schockphasen sind das Risiko der Stillhalterseite.

PaperCarr und Wu: Variance Risk Premiums

Carr und Wu bilden aus einem breiten Optionsportfolio einen synthetischen Varianzswap-Satz und vergleichen ihn nach 30 Tagen mit realisierter Varianz.

Definition aus Long-Sicht: realisierte Varianz minus Swap-Satz. Ein negativer Wert bedeutet, dass Varianzkäufer im Mittel mehr zahlten, als später realisiert wurde.

  • Daten Fünf Indizes und 35 Aktien, etwa 1996 bis Anfang 2003.
  • SPX Realisierte Varianz 4,07, Swap-Satz 6,81, Differenz −2,74.
  • Robust Stark negative Prämien bei S&P und Dow sowie in bullischen und bärischen Teilperioden.
  • Einzelaktien Deutlich uneinheitlicher als Indizes.
StillhalterWoher der Vorteil kommt

Anleger kaufen Optionen als Versicherung gegen Crashs und Volatilitätssprünge. Diese Versicherung ist besonders wertvoll, weil Indexvolatilität oft bei fallenden Kursen steigt.

Stillhalter vereinnahmen Prämie, tragen dafür aber Short-Gamma-, Short-Vega- und Tail-Risiko. Sie werden also nicht für eine bessere Prognose bezahlt, sondern für das Übernehmen unangenehmer Risiken.

RisikoWarum es kein kostenloser Gewinn ist

VIX minus realisierte Vola ist nicht der direkte Gewinn eines Short Puts oder Iron Condors. Strike, Skew, Laufzeit, Kursweg, Gebühren und Management bestimmen das Ergebnis.

  • Crashs Realisierte Vola kann IV deutlich übersteigen.
  • Negative Konvexität Short-Gamma-Verluste beschleunigen sich.
  • Ertragsprofil Viele kleine Gewinne können wenigen großen Verlusten gegenüberstehen.
PraxisSo lässt sich die Prämie nutzen
  1. Gleiche IV- und RV-Horizonte vergleichen.
  2. VIX, VVIX und Terminstruktur gemeinsam lesen.
  3. Skew und Eventrisiko berücksichtigen.
  4. Definiertes Risiko wie beim Bull Put Spread bevorzugen.
  5. Positionen klein genug für mehrere gleichzeitige Verlusttrades halten.

Die historische Lücke ist ein Ausgangspunkt, keine Gewinngarantie.

Quellen: CFA Institute und Carr & Wu.