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Strategien

Calendar Spreads

Calendar Spreads verbinden zwei Verfallstermine am gleichen Strike. Entscheidend ist nicht nur die Richtung des SPX, sondern auch, wie schnell das kurze Leg an Zeitwert verliert und wie viel Restwert im längeren Leg verbleibt.

Grundidee

Was ist ein Calendar Spread?

Ein reiner Calendar Spread, auch Time Spread oder Horizontal Spread genannt, kombiniert Optionen desselben Typs mit dem gleichen Strike, aber unterschiedlichen Verfallsterminen. Beim klassischen Long Calendar wird die näher laufende Option verkauft und die länger laufende Option gekauft.

Weil das länger laufende Leg normalerweise mehr Zeitwert besitzt, wird der Long Calendar in der Regel als Debit Spread eröffnet. Die Idee: Das kurze Leg verliert bei passender Kurslage schneller an Zeitwert, während das lange Leg noch Restlaufzeit und damit Restwert besitzt. Nahe dem Strike ist die Position typischerweise positiv Theta und positiv Vega. Diese Greeks verändern sich jedoch mit Kurs, Laufzeit und Volatilität.

Einfacher Calendar Spread auf den SPX

Angenommen, der SPX steht beispielhaft bei 7.675 Punkten. Für einen kompakten Calendar wird das Short-Leg mit 14 DTE und das Long-Leg mit 21 DTE am selben Strike aufgebaut.

Call Calendar

  • Short 1x SPXW 7.675 Call mit 14 DTE
  • Long 1x SPXW 7.675 Call mit 21 DTE
  • Marktidee Der SPX soll zum kurzen Verfall möglichst nahe bei 7.675 notieren.

Put Calendar

  • Short 1x SPXW 7.675 Put mit 14 DTE
  • Long 1x SPXW 7.675 Put mit 21 DTE
  • Marktidee Auch hier liegt die Zielzone zum kurzen Verfall rund um den gemeinsamen Strike.

Bei gleichem Strike sind Call- und Put-Calendar in ihrer Grundidee ähnlich. Praktisch können Skew, Zinsen, Liquidität und die jeweilige IV-Terminkurve zu unterschiedlichen Preisen und Greeks führen.

Typische Laufzeiten

Es gibt keine universell beste DTE-Kombination. Häufig liegt das kurze Leg etwa zwischen 7 und 30 DTE; das lange Leg wird mindestens einen späteren Verfall gewählt. Ein Abstand von 7 bis 30 Tagen ist verbreitet. Das Beispiel 14/21 DTE ist bewusst kompakt: Es reagiert schneller auf Kursbewegungen, Gamma und Veränderungen der kurzfristigen IV als ein 30/60-DTE-Calendar.

Double Calendar: SPX-Beispiel mit 14/21 DTE

Ein Double Calendar kombiniert einen tieferen Put Calendar und einen höheren Call Calendar. Er besteht damit aus zwei Calendar-Strukturen und insgesamt vier Optionslegs. Die beiden Strikes können so um den Spotpreis gelegt werden, dass zum kurzen Verfall eine breitere Zielzone entsteht.

  • Short 1x SPXW 7.600 Put mit 14 DTE
  • Long 1x SPXW 7.600 Put mit 21 DTE
  • Short 1x SPXW 7.750 Call mit 14 DTE
  • Long 1x SPXW 7.750 Call mit 21 DTE
P/L Gewinnschwelle Put Calendar Call Calendar 7.600 SPX 7.675 7.750 Short-Legs: 14 DTE Long-Legs: 21 DTE

Die Illustration zeigt das typische Profil zum Verfall der 14-DTE-Short-Legs. Sie ist bewusst schematisch: Der tatsächliche Gewinnbereich hängt von Debit, Skew, IV-Terminkurve und dem Restwert der 21-DTE-Long-Legs ab. Maximalgewinn und Break-even sind deshalb vor dem kurzen Verfall nicht so fest definiert wie bei einem Vertical Spread.

Gibt es Calendar Spreads als Credit Spread?

Ja, aber dann handelt es sich normalerweise um einen Reverse Calendar oder Short Calendar. Dabei wird die kurze Option gekauft und die länger laufende Option am gleichen Strike verkauft. Weil die längere Option mehr Zeitwert enthält, entsteht typischerweise ein Kredit.

  • Reverse Call Calendar Long 14-DTE-Call und Short 21-DTE-Call am gleichen Strike.
  • Reverse Put Calendar Long 14-DTE-Put und Short 21-DTE-Put am gleichen Strike.
  • Credit Diagonal Verschiedene Strikes und Laufzeiten; verwandt, aber kein reiner Calendar.

Der Reverse Calendar ist keine bloße günstigere Variante: Er hat meist negatives Vega und rund um den Strike negatives Theta. Nach Ablauf des kurzen Long-Legs bleibt außerdem eine länger laufende Short-Option zurück. Diese Struktur verlangt deshalb einen klaren Exit oder Roll vor dem ersten Verfall.

Abwägung

Vor- und Nachteile

Vorteile

  • Zeitwertgefälle Das kurze Leg kann schneller verfallen als das lange.
  • Positive Vega Ein Long Calendar profitiert häufig von steigender IV im längeren Verfall.
  • Definiertes Startkapital Beim klassischen Long Calendar ist der gezahlte Debit der Ausgangspunkt des Risikos.
  • Breitere Zone Ein Double Calendar kann zwischen zwei Zielstrikes einen großen positiven Bereich zum kurzen Verfall erzeugen.
  • SPX-Vorteil SPX-Optionen sind cash-settled und europäisch ausübbar; dadurch entfällt das Risiko einer vorzeitigen Andienung.

Nachteile

  • Modellabhängig Maximalgewinn und Break-even sind wegen des Restwerts der Long-Option nicht exakt fixiert.
  • IV-Risiko Ein Rückgang der längeren IV kann den erwarteten Theta-Vorteil überlagern.
  • Gamma zum Front-Verfall Das Ergebnis reagiert kurz vor dem 14-DTE-Verfall stark auf SPX-Bewegungen.
  • Aktives Management Das Short-Leg muss geschlossen, wertlos verfallen gelassen oder gerollt werden.
  • Ausführungskosten Beim Double Calendar wirken vier Legs und mehrere Bid-Ask-Spreads.

Calendar oder Iron Condor?

Der Iron Condor ist meist ein Credit Trade mit vier Legs in derselben Laufzeit. Sein maximaler Gewinn, maximaler Verlust und die Break-even-Punkte sind bei Eröffnung klar berechenbar. Er profitiert typischerweise von ruhigem Kursverlauf, Zeitablauf und fallender IV.

Der Long Calendar arbeitet dagegen mit zwei Laufzeiten. Sein Vorteil gegenüber dem Iron Condor liegt vor allem in der meist positiven Vega-Exponierung und im Restwert des Back-Month-Legs. Steigt die IV, kann das den Calendar unterstützen, während ein Short Iron Condor dadurch meist belastet wird.

Eine pauschal größere Gewinnzone hat ein Calendar nicht automatisch. Der breite Bereich der Illustration entsteht durch den Double Calendar. Ein Iron Condor besitzt dafür eine flache, klar definierte Maximalgewinnzone zwischen seinen beiden Short-Strikes.

Warum SPX?

SPX bietet liquide Laufzeiten und viele Verfallstermine. Die Optionen werden bar abgerechnet und können nur am Verfall ausgeübt werden. Für kleine Konten ist XSP eine Alternative mit ungefähr einem Zehntel der SPX-Kontraktgröße.

Bei SPXW sollte auf den konkreten PM-Verfall geachtet werden. Standard-SPX und Weeklys können sich bei letztem Handelstag und Settlement unterscheiden.