Startpunkt Ich will mit dem Optionshandel anfangen. Was muss ich tun?
Der erste Schritt ist nicht die erste Strategie, sondern die richtige Infrastruktur. Wer echte börsengehandelte Optionen handeln möchte, braucht einen Broker, der diesen Handel überhaupt anbietet. Das klingt banal, ist in Deutschland aber ein wichtiger Punkt.
Die typischen Neo-Broker wie Trade Republic oder Scalable Capital sind für Aktien, ETFs, Sparpläne und einfache Derivate sehr nützlich. Für den klassischen Optionshandel reichen sie aber meist nicht aus, weil dort vor allem Optionsscheine, Knock-outs oder Zertifikate angeboten werden. Das sind keine börsengehandelten Optionen, sondern Produkte eines Emittenten, meistens einer Bank.
Der Unterschied ist entscheidend: Mit Optionsscheinen bist du praktisch immer Käufer eines Produkts. Du kannst damit auf steigende oder fallende Kurse setzen oder eine Position absichern. Wenn du aber als Stillhalter arbeiten möchtest, also Optionen verkaufst und Prämien vereinnahmst, brauchst du direkten Zugang zu börsengehandelten Optionen.
Brokerwahl
Für viele private Optionshändler aus Deutschland ist Interactive Brokers einer der bekanntesten Wege. Dort können je nach Freischaltung unter anderem Aktien, Optionen, Futures, Futures-Optionen, Rohstoffe, Währungen und Anleihen gehandelt werden. Die Gebührenstruktur ist im Vergleich zu vielen klassischen Banken oft sehr wettbewerbsfähig, besonders bei Optionen und Futures.
Wichtig ist die saubere Einordnung: EU-Kunden werden typischerweise über Interactive Brokers Ireland geführt. Diese Gesellschaft sitzt in der EU und wird von der Central Bank of Ireland reguliert. Das ist nicht dasselbe wie „BaFin-zertifiziert“, aber der Broker ist für deutsche Kunden rechtlich nutzbar. Einzahlungen und konkrete Bankdaten werden im IBKR-Konto angezeigt; maßgeblich sind immer die dort hinterlegten Zahlungsinformationen.
Wichtige Einschränkung für EU-Kunden
Eine bekannte Einschränkung betrifft US-ETFs. Als EU-Privatanleger kannst du viele amerikanische ETFs nicht einfach direkt kaufen, weil für diese Produkte häufig kein passendes PRIIPs-/KID-Dokument für europäische Retail-Kunden vorliegt. Aktien, Optionen und Futures sind davon nicht pauschal in derselben Weise betroffen, trotzdem müssen Handelsberechtigungen, Erfahrung und Risikoprofil beim Broker freigeschaltet werden.
Alternativen zu Interactive Brokers
Eine bekannte Alternative ist Tastytrade. Ich habe selbst keine praktische Erfahrung mit diesem Broker, habe aber viel Gutes gehört. Wichtig für die OWS: Die Optionist Work Station arbeitet aktuell mit der TWS/API von Interactive Brokers. Mit Tastytrade würde diese Anbindung daher nicht funktionieren.
Stark ist Tastytrade vor allem durch das Options-Ökosystem rund um tastylive. Das ist im Optionsuniversum fast schon ein Dino: sehr viel Videomaterial, viele Erklärungen zu Strategien, Volatilität, Prämienverkauf und praktischen Optionsfragen. Als Lernquelle ist das aus meiner Sicht absolut erwähnenswert.
Daneben gibt es deutsche Reseller beziehungsweise Introducing Broker von Interactive Brokers. Besonders bekannt sind CapTrader und LYNX. In der Praxis bekommt man dort einen sehr ähnlichen Marktzugang über die IBKR-Infrastruktur, allerdings meist zu höheren Gebühren. Dafür gibt es Vorteile wie deutschen Support und teilweise besser aufbereitete Steuer- oder Performanceberichte. Ob einem das den Aufpreis wert ist, muss man nüchtern entscheiden.
Grobe Gebührenorientierung
Die folgende Tabelle ist keine Gebührenberatung, sondern eine schnelle Orientierung mit öffentlich genannten Konditionen. Entscheidend ist vor jedem Live-Trade immer das aktuelle Preisverzeichnis des Brokers, inklusive Börsen-, Clearing-, Regulierungs-, Währungs- und Drittgebühren.
| Position | Interactive Brokers | CapTrader | LYNX |
|---|---|---|---|
| US-Option verkaufen | typisch 0,25-0,65 USD je Kontrakt, häufig 0,65 USD bei normalem Retail-Volumen | ab 3,50 USD je Kontrakt | 3,50 USD je Kontrakt |
| EUREX-Option verkaufen | Deutschland: Aktienoptionen ab ca. 1,00 EUR, Indexoptionen ab ca. 0,90 EUR je Kontrakt im gestaffelten Modell | ab 2,00 EUR je Kontrakt | 2,00 EUR je Kontrakt |
| US-Aktie kaufen | gestaffelt ca. 0,0005-0,0035 USD je Aktie; Fixpreis ca. 0,005 USD je Aktie | ab 0,01 USD je Aktie, mindestens 2,00 USD je Order | 0,01 USD je Aktie, mindestens 5,00 USD je Order |
| Aktie/ETF Europa kaufen | für viele westeuropäische Aktien/ETFs ca. 3 EUR je Trade bei typischen Ordergrößen; größere Orders prozentual | Aktien und ETFs ab 2,00 EUR je Order | Xetra/IBIS 0,14 % des Handelswertes, mindestens 5,80 EUR, maximal 99,00 EUR |
| Hauptvorteil | niedrige Kosten, direkter IBKR-Zugang, TWS/API und OWS-kompatibel | deutscher Support, IBKR-Infrastruktur, Performancebericht als Zusatznutzen | deutscher Support, IBKR-Infrastruktur, einfache deutschsprachige Betreuung |
Stand der Orientierung: Mai 2026. Drittgebühren, Handelsplatz, Routing, Währungswechsel und Ordertyp können den tatsächlichen Preis verändern.
Mentoring-Gedanke
Momentan biete ich kein Mentoring an, da ich noch in einem Vollzeitjob stecke. Sollte aber ernsthaftes Interesse bestehen, dann schreibt mich einfach unter info@optionist.net an und wir können einmal ein Gespräch halten. Mittelfristig würde ich natürlich gerne meine Erfahrung mit euch teilen.